Am 21. Oktober letzten Jahres zählt plötzlich jede Sekunde: René Rock (zum Zeitpunkt 57 Jahre alt) erleidet einen Kreislaufstillstand – und seine Ehefrau handelt sofort. Sie wählt den Notruf 112 und beginnt ihren Mann wiederzubeleben.
Am anderen Ende der Leitung: unser Einsatzbearbeiter in der Zentralen Leitstelle Dietzenbach, Sebastian Vetter. Ruhig, klar und strukturiert leitet er die Wiederbelebung (Reanimation) am Telefon an, gibt entscheidende Hinweise – und setzt parallel alles in Bewegung: Rettungsdienst mit Rettungswagen, Notarzt und ECMO-NEF sowie unser Voraus-Helfer-System und kurze Zeit später die Feuerwehr werden alarmiert. Zahnräder greifen ineinander, so wie es in kritischen Momenten sein muss.
Wenige Sekunden später: Alarm auf dem Handy. Jannis Finn Ritter und ein weiterer Voraushelfer zögern nicht, sind schnell vor Ort und führen die Reanimation fort, bis weitere Kräfte übernehmen können. Genau dafür gibt es das Voraus-Helfer-System – weil Minuten Leben bedeuten.
Kurz darauf trifft der Rettungswagen der Johanniter ein, besetzt mit Monika Stissi und Lukas Wocker. Die Reanimation läuft strukturiert weiter. Dann kommt das Notarzteinsatzfahrzeug mit Dr. Frank Müller-Hildebrand und Christian Karger dazu. Ein Team. Ein Ziel. Ein Takt.
Seit März 2025 wird bei laufenden Reanimationen zusätzlich auch unser ECMO-NEF mitalarmiert: ein spezialisiertes Notarzteinsatzfahrzeug, das eine mobile Herz-Lungen-Unterstützung (ECMO) zur Einsatzstelle bringen kann. Wenn das Herz und die Lunge trotz maximaler Maßnahmen nicht stabil arbeiten, kann die ECMO den Kreislauf und die Sauerstoffversorgung vorübergehend übernehmen – bis im Krankenhaus die weitere Therapie möglich ist.
Auch die Freiwillige Feuerwehr Seligenstadt unterstützt vor Ort, unter der Einsatzleitung von Alexander Zöller – während die Kräfte reanimieren, trifft das ECMO-NEF ein: Leitender Oberarzt Dr. Andreas Ernst, Assistenz Matej Meyenberg-Arlovic und Notfallsanitäter Richard Sauerteig. Vor Ort wird die ECMO angelegt. Unter optimalen Bedingungen geht es anschließend auf die Intensivstation der Asklepios Klinik Langen.
Und das ist die Nachricht, die uns alle bewegt: Anfang November konnte René Rock bereits aus der Asklepios Klinik Langen entlassen werden – ohne neurologische Schäden.
Als René Rock am 22. Januar beim ERD zu Gast war, wurde spürbar, was hinter jedem Einsatz wirklich steht: Menschen, die in Sekunden zusammenfinden – und Zahnräder, die ineinandergreifen. Sichtlich bewegt bedankte er sich bei seinen vielen Helferinnen und Helfern, die ihm an diesem Herbsttag eine zweite Chance, ein zweites Leben geschenkt haben – von der Ehefrau, die sofort reagierte, über die Leitstelle, die Voraushelfer und Einsatzkräfte bis hin zur Klinik. „Wenn in einer Leitstelle, auf der Straße und in der Klinik alles ineinandergreift, entsteht aus vielen einzelnen Handgriffen eine gemeinsame Chance auf Leben. Genau dafür stehen wir als Eigenbetrieb Rettungsdienst“, betonte Betriebsleiter Christian Schönemann. Und auch Sebastian Bergold, Projektleiter Voraus-Helfer, machte deutlich, warum dieses System so entscheidend ist: „Unser Voraus-Helfer-System bringt Hilfe oft Minuten früher an den Patienten. Diese Minuten entscheiden – und genau deshalb sind unsere Ehrenamtlichen ein so wichtiger Teil der Rettungskette.“
Das ist kein „Glück allein“. Das ist das Ergebnis von Mut, schnellem Handeln, guter Anleitung, Ausbildung, Teamwork – und einem System, das funktioniert, wenn es darauf ankommt. Zahnräder, die ineinandergreifen. Danke an die Ehefrau für ihren unglaublichen Einsatz. Danke an die Leitstelle. Danke an die Voraushelfer. Danke an alle Rettungsdienstkräfte, an die Feuerwehr, an die Notärzte und an das ECMO-Team – und an die Kolleginnen und Kollegen in der Klinik.

















