18 Hebammen informierten sich beim Team ERD über das neue Projekt „Hebamme vor Ort“ – Offizieller Start am 29. September 2026

Am Donnerstag hat beim Eigenbetrieb Rettungsdienst des Kreises Offenbach (Team ERD) die Informationsveranstaltung zum neuen Projekt „Hebamme vor Ort“ stattgefunden. 18 Hebammen aus dem Landkreis Offenbach nutzten die Gelegenheit, sich aus erster Hand über das Konzept, den Ablauf einer Alarmierung und die Zusammenarbeit mit dem Rettungsdienst zu informieren.
Mit dem offiziellen Projektstart am 29. September 2026 entsteht im Landkreis Offenbach ein neues Netzwerk für die präklinische Geburtshilfe. Ziel ist es, bei seltenen, besonders schnell verlaufenden Geburten außerhalb einer Klinik die geburtshilfliche Kompetenz von Hebammen strukturiert mit der notfallmedizinischen Kompetenz des Rettungsdienstes zusammenzuführen.
Über das Projekt informierten Caren Röck, Christiane Anfang und Anna Schnappauf als Vertreterinnen des Landesverbands der Hessischen Hebammen e. V. Gemeinsam mit Christian Schönemann, Holger Adler und Sebastian Bergold vom Team ERD stellten sie das Konzept vor, beantworteten Fragen und kamen mit den interessierten Hebammen ins Gespräch.
„Mit „Hebamme vor Ort“ schaffen wir eine klare und verlässliche Struktur für besondere Einsatzlagen“, beschreibt Sebastian Bergold, Projektleiter beim Team ERD, den Ansatz. „Unsere Rettungsteams bringen ihre notfallmedizinische Kompetenz ein, die Hebammen ihre geburtshilfliche Erfahrung. Genau dieses Zusammenspiel auf Augenhöhe macht das Projekt stark. Für die Hebammen entstehen klare Abläufe – von der Alarmierung über die Anfahrt bis zur Zusammenarbeit an der Einsatzstelle. Gleichzeitig schaffen wir damit für unsere Rettungsteams eine fest geregelte Möglichkeit, in dieser besonderen Situation gezielt geburtshilfliche Expertise hinzuzuziehen.“
Caren Röck ergänzt: „Eine Geburt außerhalb des Kreißsaals ist immer eine besondere Situation. Wenn Hebamme und Rettungsdienst dabei als Team zusammenarbeiten, entsteht zusätzliche Sicherheit für Mutter und Kind. Dafür möchten wir im Landkreis Offenbach ein möglichst großes und verlässliches Netzwerk aufbauen.“
Das Projekt ist ausdrücklich kein Regelangebot und keine Alternative zu einer geplanten Geburt in einer Klinik. „Hebamme vor Ort“ greift ausschließlich im Ausnahmefall – etwa wenn eine Geburt unerwartet so schnell verläuft, dass ein Kreißsaal nicht mehr rechtzeitig erreicht werden kann. In diesen Situationen wird weiterhin der Rettungsdienst über die 112 alarmiert. Bei passenden Einsatzlagen kann die Leitstelle parallel eine registrierte Hebamme über die Alarmierungs-App DE-Alarm anfragen.
Die Teilnahme der Hebammen ist freiwillig. Eine Einsatzpflicht besteht nicht. Wer verfügbar ist und den Einsatzort zeitnah erreichen kann, bestätigt die Übernahme direkt gegenüber der Leitstelle. Vor Ort ergänzt die Hebamme das Rettungsteam mit ihrer geburtshilflichen Erfahrung. Bei einer regelrechten Geburt leitet sie den Geburtsverlauf eigenverantwortlich und arbeitet dabei eng mit dem Rettungsdienst und gegebenenfalls dem Notarzt zusammen. Treten bei Mutter oder Kind Komplikationen auf, liegt die medizinische Einsatzverantwortung beim Notarzt.
„Nach dem Erfolg unseres Voraus-Helfer-Systems ist „Hebamme vor Ort“ der nächste wichtige Schritt für eine noch bessere Versorgung im Landkreis Offenbach“, sagt Christian Schönemann, Betriebsleiter des Team ERD. „Wir verbinden hier zwei starke Kompetenzen und schaffen klare Strukturen für eine seltene, aber besondere Einsatzsituation. Das Projekt zeigt, wie wichtig ein funktionierendes Netzwerk aus engagierten Fachkräften, Leitstelle und Rettungsdienst ist. Unser Ziel ist es, gemeinsam mit möglichst vielen Hebammen eine zusätzliche Sicherheit für Familien in genau diesen Ausnahmefällen zu schaffen.“
Auch die rechtlichen und organisatorischen Rahmenbedingungen sind klar geregelt. Während eines Einsatzes als „Hebamme vor Ort“ ist die Haftpflicht über den Landkreis Offenbach abgesichert. Die Hebammen können sich damit auf ihre geburtshilfliche Aufgabe konzentrieren. Ihre Leistungen rechnen sie wie gewohnt eigenständig über ihre IK-Nummer mit den Krankenkassen ab. Material, medizinische Ausstattung und die Unterstützung durch das Rettungsteam stehen im Einsatzfall zur Verfügung.
Die Rettungsmittel im Landkreis Offenbach verfügen über standardisierte Geburtssets sowie die notwendige Ausstattung für die Versorgung von Mutter und Neugeborenem. Auf ärztlich besetzten Rettungsmitteln wird zudem ein Fetal-Doppler vorgehalten. Damit sind die beteiligten Teams für die gemeinsame Versorgung am Einsatzort vorbereitet.
Der Eigenbetrieb Rettungsdienst und der Landesverband der Hessischen Hebammen e. V. suchen weiterhin Hebammen aus dem Landkreis Offenbach, die Teil von „Hebamme vor Ort“ werden möchten. Gesucht werden Hebammen, die ihre Kompetenz auch außerhalb von Klinik und Praxis einbringen und die präklinische Versorgung im Landkreis aktiv mitgestalten möchten.
Weitere Informationen zum Projekt sowie zur Teilnahme gibt es unter www.erd-kreis-of.de/hebammevorort
Interessierte Hebammen können sich außerdem jederzeit an Sebastian Bergold vom Team ERD oder an Caren Röck vom Landesverband der Hessischen Hebammen e. V. wenden.
Gemeinsam stärken Team ERD und die Hebammen im Landkreis Offenbach die präklinische Geburtshilfe – für eine verlässliche Zusammenarbeit, wenn sie im Ausnahmefall gebraucht wird.





